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24.09.2020

Was ist eigentlich eine Sehschule?

Lernt man dort Sehen? Ja, so in etwa stimmt das. In der Sehschule beschäftigt sich ein(e) Orthoptist(in) mit der Vorsorge und Untersuchung der Sehentwicklung und des beidäugigen Sehens. Es wird also kontrolliert, ob Kinder - und zum Teil auch Erwachsene - 100% Sehkraft haben oder ob Sehstörungen vorliegen. Wir schildern Euch hier mal, wie solch der Besuch in der Sehschule abläuft.

Im Idealfall besucht man die Sehschule erstmals bis zum zweiten Lebensjahr. Denn liegt die Sehkraft nicht bei 100% oder es fallen andere Sehfehler auf, bleibt genug Zeit um diese bis zum Grundschul-alter intensiv zu behandeln. Während der Grundschulzeit ist die Sehentwicklung bei Kindern abgeschlossen und sollte 100% betragen.

Also lernen Kinder mit Sehfehlern in der Sehschule tatsächlich Sehen! So wie Johanna. Als sie das erste Mal in die Sehschule des Augen-Zentrum-Nordwest kam, war sie bereits vier Jahre alt. Ihr Befund: Amblyopie. Hinter dem Begriff verbirgt sich die Schwachsichtigkeit eines Auges. Dies kann durch mangelhafte oder fehlende Sehreize auf der Netzhaut verursacht werden. Das Gehirn "lernt" das Sehen nicht richtig und die entsprechenden Nervenverbindungen werden nicht angelegt. Eine erfolgreiche Behandlung der Amblyopie kann nur in der Kindheit erfolgen, und am besten so früh wie möglich, denn die Erfolgsaussichten nehmen mit zunehmendem Lebensalter ab. Daher sind die Früherkennungsuntersuchungen sehr wichtig.

Seit der Diagnose kommt Johanna alle drei Monate in die Sehschule um Ihre Sehkraft zu testen und die Fortschritte zu dokumentieren. Aufgrund ihres verhältnismäßig hohen Alters mussten die Orthoptisten und Augenärzte bei Johanna schnell und intensiv mit der Behandlung beginnen. Von nun an heißt es Abkleben. Und zwar täglich! Das bessere Auge wird mit einem Pflaster abgedeckt, so dass das schlechtere Auge intensiv eingesetzt wird und das Sehen „trainiert". Als Faustregel gilt, das Auge täglich so viele Stunden zu verdecken, wie das Kind alt ist. In Johannas Fall also anfangs vier Stunden. Das ist für ein Kind eine ziemlich lange Zeit. Um den Anreiz zu erhöhen, gibt es mittlerweile tolle Augenpflaster mit diversen Motiven zur Auswahl. Auch bekommen die Kinder ein großes Poster mit, auf dem die Pflaster gesammelt werden können. Um dem Anreiz noch zu erhöhen, kann man das Kind zusätzlich für ein vollgeklebtes Poster mit einer kleinen Überraschung belohnen. Denn: je intensiver die Kinder abkleben umso größer der Erfolg!

Wenn die Sehentwicklung abgeschlossen ist, können die Augenärzte leider auch keine Verbesserungen mehr erreichen. Die Folge ist eine dauerhafte, erhebliche Sehminderung des Auges bis hin zur einseitigen funktionellen Blindheit und das räumliche Sehen ist dann nicht mehr möglich.

In Johannas Fall hat sich das intensive Abkleben des schlechteren Auges gelohnt: Mittlerweile ist sie sechs Jahre alt und hatte bei der letzten Untersuchung auf dem betroffenen Auge fast 100% Sehkraft. Für Johanna und ihre Eltern bedeutet das eine enorme Erleichterung. Sie dürfen fortan die Abklebezeit reduzieren und ausschleichen. Bei regelmäßigen Nachkontrollen in der Sehschule wird fortan überprüft, ob diese Verbesserung dauerhaft ist. Sollte Johanna also demnächst in ein 3D-Kino gehen, kann sie mit ihren Freundinnen gemeinsam nach den umherfliegenden Schmetterlingen greifen.

 

Was ist ein(e) Orthoptist(in)?

Die Aufgabe der Orthoptistin beeinhaltet die Vorsorge (Prävention), die Untersuchung (Diagnose) und die Behandlung (Therapie) der Sehentwicklung und Störungen des ein- oder beidäugigen Sehens (Pleoptik/Orthoptik).

Untersucht und behandelt werden Patienten aller Altersgruppen mit

  • Schielerkrankungen (Strabismus)
  • Sehschwächen (Amblyopie)
  • Augenzittern (Nystagmus)
  • Augenbewegungsstörungen (Paresen)
  • Lidanomalien