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14.06.2018

Neue Studienergebnisse zu Floatern (Fliegende Mücken)

Man findet sie in vielen Augen, sie sind meist harmlos, aber manche Menschen leiden stark unter ihnen: Floater. Damit werden in der Augenheilkunde Trübungen des Glaskörpers bezeichnet. Oft ist hauptsächlich ein Auge betroffen. Die Betroffenen nehmen Punkte, Würmchen, Fliegen oder Wolken mitten im Gesichtsfeld wahr, die bei Blickbewegungen mitgehen. Weil Floater als unangenehm, aber harmlos gelten, rieten Augenärzte ihren Patienten bislang meist von einer Operation ab. Denn ein solcher Eingriff galt als zu risikoreich angesichts der geringen Beeinträchtigung.


Eine neue Studie belegt nun aber: Patienten, die unter Floatern leiden, hilft die Operation erheblich. Ein Jahr danach war ihre subjektiv empfundene Beeinträchtigung beim Sehen im Durchschnitt um fast 80 Prozent geringer als zuvor. Weil die Eingriffe, in der Fachsprache Vitrektomien genannt, heute minimal-invasiv vorgenommen werden, sind zum einen ihre Risiken gesunken. Zum anderen erholt sich das Sehvermögen nach der Operation rascher als früher. Bei einer Vitrektomie wird der Glaskörper, in dem sich die Trübungen befinden, aus dem Augeninneren entfernt und durch klare Flüssigkeit ersetzt. Das Auge bildet laufend eigenes Kammerwasser, das innerhalb kurzer Zeit die bei der Operation eingebrachte Flüssigkeit ersetzt.


An der Studie beteiligten sich sieben Augenzentren des OcuNet Verbunds - einem Zusammenschluss von 18 großen augenmedizinischen Zentren aus ganz Deutschland - darunter auch das Augen-Zentrum-Nordwest. „Es gibt Patienten, die sehr stark unter Glaskörpertrübungen leiden“, erläutert Studienleiter Prof. Klaus Ludwig, Ober Scharrer Gruppe in Nürnberg. „Sie sehen meist keine kleinen Fussel, sondern fast immer größere bewegliche Gebilde, auf die sie sich nur schwer einstellen können. Für diese Gruppe von Patienten wollten wir erforschen, ob und wie wir ihnen durch eine Vitrektomie helfen können.“


In die Studie wurden insgesamt 69 Patienten eingeschlossen. Drei Monate nach der Operation berichteten die operierten Patienten von einer ausgeprägten Besserung. Selbst die wenigen Patienten, bei denen es Komplikationen gegeben hatte, waren am Ende zufrieden: Sie gaben sogar eine noch etwas deutlichere Reduzierung ihrer Beschwerden an als andere.
Es kam aber eine weitere, überraschende Verbesserung hinzu, wie Studienleiter Ludwig erläutert: „Bei den meisten Patienten besserten sich auch andere Beschwerden wie Leseprobleme in der Nähe oder erhöhte Blendungsempfindlichkeit, obwohl wir hieran nichts korrigiert haben. Daraus schließen wir, dass Glaskörpertrübungen Probleme beim Lesen oder beim Kontrastsehen zusätzlich verstärken können.“


Die an der Studie beteiligten Augenärztinnen und Augenärzte empfehlen trotz der guten Ergebnisse und der großen Patientenzufriedenheit, einen Eingriff nach wie vor gründlich abzuwägen. „Vitrektomie sollte eine Einzelfallentscheidung bleiben“, betont Ludwig. „Augenärzte müssen sich mit jedem Patienten und seinem Beschwerdebild sorgfältig befassen. Risiken für zum Beispiel eine Netzhautablösung sind vor dem Eingriff abzuklären. Auch ist im Versorgungsalltag abzuwägen, ob die Trübungen vielleicht erst dann entfernt werden, wenn sowieso eine Operation wegen Grauen Stars notwendig wird.“
Der Fragebogen, den die Studienzentren entwickelt haben, ist nach deren Einschätzung eine gute Unterstützung für die Entscheidungsfindung, sagt Ludwig. „Wir haben auch festgestellt, dass viele Patienten schon erleichtert sind, wenn man ihre Beschwerden ernst nimmt und ihnen die Hintergründe zu Floatern erklärt. Etliche sagen: Dann warte ich einfach noch einmal ab.“


Für die mehrere Jahre dauernde Studie hatten Augenärztinnen und Augenärzte an den beteiligten Standorten betroffene Patienten zunächst auf die Möglichkeit einer Operation hingewiesen. Sie berieten sie umfangreich und gaben ihnen zwei Monate Zeit, um sich zu entscheiden. Patienten, die dann eine Vitrektomie wünschten, mussten vor sowie drei und zwölf Monate nach der Operation einen eigens dafür konzipierten Fragebogen ausfüllen. Im Ergebnis konnten das Maß der Beeinträchtigung vor der Operation und die deutliche Verbesserung im Verlauf nach der Behandlung festgehalten werden. „Gerade bei diesem schwer zu erfassenden Krankheitsbild ist es wichtig, die subjektive Sicht des Patienten besser kennen- und nachvollziehen zu lernen“, erläutert Dr. Ursula Hahn, Geschäftsführerin des OcuNet Verbunds.

Die Studie im Detail: Hahn U, Krummenauer F, Ludwig K (2018): 23G pars plana vitrectomy for vitreal floaters: prospective assessment of subjective self-reported visual impairment and surgery-related risks during the course of treatment. Graefe's Archive for Clinical and Experimental Ophthalmology (2018) 256:1089–1099.