Aktuelles

01.09.2020

Alle Jahre wieder das gleiche Ärgernis

Vergangene Woche veröffentlichte der MDS (Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen) eine Pressemitteilung und berichtete darin über die Top 10 IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung). Seit Jahren wird der IGeL-Monitor von der Augeninnendruckmessung angeführt, die im Rahmen der Glaukom-Vorsorge (Grüner Star) durchgeführt wird. Gegenüber der Presse hat der MDS am 25. August verkündet, dass bei dieser augenärztlichen Untersuchung der mögliche Schaden dem Nutzen überwiegt.

Leider hat die Presse dies unkritisch übernommen, ohne eine augenärztliche Stellungnahme hierzu einzuholen. Wir fühlen uns verpflichtet, in Kooperation mit dem Bundesverband der Augenärzte (BVA) dazu Stellung zu nehmen und über die Untersuchung und seinen Schaden/Nutzen ausführlicher aufzuklären.

Im Bericht wurde erneut eine isolierte Tonometrie mit der augenärztlichen Glaukomvorsorge gleichgesetzt. In der Praxis ist es jedoch so, dass man bei der alleinigen Tonometrie etwa 50% der Glaukome übersieht, dem Patienten falsche Sicherheit gibt und damit schadet. Zur korrekten augenärztlichen Glaukomfrüherkennung gehört jedoch eine augenfachärztliche Untersuchung des Sehnervs sowie wichtiger Augenstrukturen. Die Ermittlung des Augeninnendrucks, der ein wichtiger Risikofaktor ist, kommt hierbei als Messung hinzu.

Aufgrund der Wichtigkeit ein Glaukom frühzeitig zu entdecken und zu behandeln, um schwerwiegende Krankheitsfolgen, bis hin zur Erblindung, zu verhindern, wird die Glaukomfrüherkennung, derzeit als sogenannte „Individuelle Gesundheitsleistung“ – kurz IGeL, durch den BVA und die DOG (Deutsche ophtalmologische Gesellschaft) empfohlen. Ganz klar jedoch nicht als alleinige Tonometrie! Die Kombination aus der Untersuchung des Sehnervenkopfes an der Spaltlampe und der Augeninnendruck-Messung hat sich international als übliches Verfahren bewährt.

Der BVA kritisiert, dass bei der Befragung, die zu dem IGeL-Monitor durchgeführt wurde, die Patienten und Patientinnen im allgemeinen den Unterschied zwischen einer isolierten Tonometrie und einer vollständigen Glaukomvorsorge möglicherweise nicht verstanden haben oder kaum erkennen dürften.

Verschwiegen wird durch die Herausgeber des IGeL-Monitors, dass Augenärzte sogar einen Kunstfehler begehen, sollten sie ihre Patienten nicht auf die Möglichkeit der Glaukomfrüherkennung hinweisen und anbieten, auch wenn dies kein Bestandteil der Krankenkassen-Versorgung ist (Oberlandesgericht Hamm 29.11.1977, 9U23/77 OLG Hamm).   

Wir empfinden es daher als absolut notwendig, unsere Patienten aufzuklären, dass zur wichtigen und völlig ungefährlichen augenärztlichen Glaukomvorsorge mehr gehört als die alleinige Messung des Augeninnendruckes.

Sprechen Sie unsere Ärzte bei Fragen hierzu gerne an.