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Hess-Schirm
Die Untersuchung des beidäugigen Sehens oder des Binokularsehens wird in die Untersuchung der Motorik und in die Untersuchung der Sensorik gegliedert. Während Stellungsfehler (Schielwinkel) und Bewegungsfehler (Störungen des Bewegungsablaufs, Einschränkungen des Blickfeldes) bei der Untersuchung der Motorik erkannt und vermessen werden sollen, steht bei der Untersuchung der Sensorik die Verschmelzung der Bildeindrücke beider Augen (Fusion) sowie das räumliche Sehen (Stereosehen) im Fokus. Diese Untersuchungen werden mit Hilfe des Hess-Schirmes durchgeführt. Am Hess-Schirm wird die Funktion der äußeren Augenmuskeln überprüft. Dabei sitzt man etwa fünfzig Zentimeter von dem weißen Schirm entfernt und trägt eine spezielle Rot-Grün-Brille. Das rote Glas befindet sich vor dem rechten Auge und das Grüne vor dem linken Auge. Auf dem Schirm ist ein Viereck aufgezeichnet, auf dem rote Punkte aufleuchten. Dies muss dann mit einem kleinen grünen Licht, ähnlich einer Taschenlampe, markiert werden.
Der Hess-Schirm des Unternehmens Meditron ist eine 95 Zentimeter breite und 95 Zentimeter hohe Metallplatte, auf der die Hess-Koordinaten mittels Siebdruckverfahren aufgebracht sind. Die Hess-Koordinaten sind für einen Untersuchungsabstand von 50 Zentimeter berechnet. Sie leiten sich mathematisch ab: Das Auge des Beobachters befindet sich in der Mitte einer (gedachten) Kugel und sieht senkrecht auf den Schirm, der im Abstand r = 0,5 Meter (= Kugelradius) platziert ist. Die Koordinaten sind Hyperbeln, die durch Projektion zweier Kreisscharen (den Breitenkreisen der Kugel) entstehen.
Bei der Untersuchung von Bewegungsstörungen der Augen oder bei der Schieldiagnostik werden Fehlstellungen der Augen gemessen. Solche Fehlstellungen können verursacht sein durch Über- oder Unterfunktion eines oder mehrerer der sechs Augenmuskeln oder durch eine Störung eines oder mehrerer der drei Nerven, die die Muskelfunktionen steuern. Um Augenmuskelstörungen zu erfassen, führt man Schielwinkelmessungen in unterschiedlichen Blickrichtungen durch.
Die Augenmuskelfunktionen lassen sich auch überprüfen mittels der sogenannten Koordimetrie. Hierbei werden Schielwinkel veranschaulicht, indem die Abweichungen der Blickrichtungen beider Augen von den Hauptblickrichtungen in einem Diagramm graphisch dargestellt werden. Geprüft wird mit sogenannten "Tangententafeln". Deren horizontal und vertikal gekrümmte Linien entstehen durch Projektion von Oberflächenkoordinaten einer Kugel auf eine im Abstand des Kugelradius befindliche Fläche. Der Kopf des Probanden befindet sich im Zentrum der Kugel und steht frontoparallel zur Projektionsfläche. Die sogenannten "Tangententafeln" sind immer nur für eine bestimmte Entfernung berechnet. Durch das Zentrum des Schirms und durch die Schnittpunkte bestimmter horizontaler und vertikaler Linien ergeben sich Fixationspunkte für verschiedene Blickrichtungen. Die Bildtrennung kann auf unterschiedliche Art erfolgen. Am gebräuchlichsten ist die Bildtrennung durch komplementärfarbige Fixationsobjekte und komplementärfarbige Filtergläser.
 
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