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16.09.09
Ein Leben ohne BrilleBericht in der Zeitschrift "Augenlicht" über Frau Dr. Stefanie Schmickler und MultifokallinsenFranziskus F. ist Inhaber einer Apotheke. Er ist auf beiden Augen stark kurzsichtig (-7,0 dpt.), das heißt, er sieht in der Ferne sehr schlecht. Hinzu kommt, dass er zudem noch eine Lesebrille benötigt, weil er alterssichtig ist. Die Vorstellung eines Lebens ohne Brille fasziniert ihn. Nie hat er sich mit Sehhilfen anfreunden können. Hin und wieder las er in der Zeitung von der Möglichkeit der Sehkorrektur mittels einer Laser-Operation (LASIK). Mit diesem Wunsch wandte er sich an unser Team der Augenärzte-Gemeinschaftspraxis in Ahaus. Wir mussten ihn jedoch enttäuschen. Denn die LASIK würde zwar seine Kurzsichtigkeit beheben, so dass er keine Brille mehr benötigte, um in die Ferne zu sehen, aber die Lesebrille wäre weiterhin erforderlich. Denn Kurzsichtigkeit und Alterssichtigkeit sind zwei unabhängige Beeinträchtigungen, die bei Brillen mittels einer Mehrstärkenbrille (also mit Gläsern, die Weit- und Nahsicht korrigieren) ausgeglichen werden. Doch es ist eben eine Brille – und keine kostengünstige Variante. Wir sprachen mit unseren Patienten, die partout keine Brille wollten, über eine andere Möglichkeit: so etwas wie eine „Gleitsichtbrille im Auge“. Dank so genannter Multifokallinsen, die in das Auge eingepflanzt werden, steht seit einiger Zeit ein Operationsverfahren zur Verfügung, bei dem neben der Fehlsichtigkeit in der Ferne auch die Altersweitsichtigkeit mitkorrigiert werden kann. Was versteht man unter einer Multifokallinse? Eine Lesebrille für normale Zeitungsschrift ist nach einer Multifokallinsenimplantation in der Regel nicht mehr erforderlich, da die Multifokallinse ein scharfes Bild in der Nähe und auch in der Ferne liefert. Gleitsichtbrillen sind nach der Implantation entbehrlich. Das Einsetzen einer Multifokallinse ist somit eine All-in-one-Operationstechnik, bei der Fehlsichtigkeit und Altersweitsichtigkeit zusammen korrigiert werden. Allerdings ist bei der Multifokallinse die endgültige Sehschärfe erst nach mehreren Wochen erreicht, da sich das Gehirn erst an die Linse gewöhnen muss: Die Multifokallinse sorgt dafür, dass man permanent ein scharfes Bild in der Nähe und auch in der Ferne sehen kann, was die Natur mit der körpereigenen Linse nicht zulässt. Mit der menschlichen Augenlinse sieht man entweder in der Ferne scharf und hat das Umfeld in der Nähe unscharf oder man konzentriert sich auf Dinge in der Nähe, die man dann scharf sieht, und die Bilder in der Ferne sind verschwommen. Nach einer Multifokallinsenimplantation gewöhnt sich das Gehirn innerhalb mehrerer Wochen daran, das gerade nicht benötigte Bild zu „unterdrücken“. Lästig sind für viele Menschen anfangs auch „Kränze“ um Lichtquellen bei Gegenlicht (sog. Halos = Heiligenschein). Diese rühren daher, dass die Oberfläche der Multifokallinse über schießscheibenartige Ringe verfügt, an denen das Licht entsprechend gebeugt wird. Letztlich muss man sagen, dass es sich bei der Operation der Altersweitsichtigkeit mit Einpflanzen einer Multifokallinse um dieselbe Operationstechnik handelt wie bei der Grauen-Star-Operation. Diese wiederum ist diejenige Operationsart, die allein in Deutschland jährlich rund 600.000 mal durchgeführt wird. Während die Operation des Grauen Stars aber von den Krankenkassen erstattet wird, muss der Linsenaustausch bei klarer Linse zur Korrektur der Fehlsichtigkeit, die „clear lens extraction“ mit Einsetzen einer Multifokallinse, privat gezahlt werden. Die Kosten pro Auge liegen nicht unter 2.000 Euro. Ist die Multifokallinse etwas für Jedermann? Eine gute Betreuung nach der Operation ist sehr zu empfehlen: Dem Patienten muss im Rahmen der augenärztlichen Untersuchung erläutert werden, bei welchem Leseabstand es sich am besten liest. Es sind auf dem Markt verschiedene Multifokallinsen erhältlich. Ich persönlich habe im Laufe der Zeit sehr gute Erfahrungen mit der TECNIS Multifokallinse gemacht, die ich seit Jahren einsetze. Sie sorgt für eine gute Lese- als auch Fernsehschärfe. Allerdings muss das Arbeiten am Computer erst trainiert werden, da die Multifokallinsen meistens nur Bifokallinsen sind. Das bedeutet, sie haben einen Punkt in der Nähe und einen in der Ferne, in dem man scharf sieht. Im „Zwischenraum“ ist das Bild nicht so scharf. Hier gibt es neuerdings Multifokallinsen mit einem abgeschwächten Nahzusatz, die das Sehen im Zwischenbereich deutlich verbessern, jedoch für ganz kleine Schrift wiederum eine Brille erforderlich machen. Trockene Augen können die Blendungsphänomene bei Nacht verstärken, weshalb Benetzungsmittel wie zum Beispiel Blink Augentropfen in den ersten Monaten ein „Muss“ sind. Wer ist besonders für Multifokallinsen geeignet? Und nun noch etwas zum Schluss: der Nachstar. Die Risiken der Operation beim Linsenaustausch sind heutzutage gering. Die Gefahr, dass eine Infektion im Auge auftritt, liegt weltweit bei 1:7000 und die des Verlustes eines Auges bei 1:15000. Allerdings stellt sich in 15 Prozent der Fälle bis circa drei Jahre nach Operation ein Nachstar ein, ein Zellwachstum auf der hinteren Linsenkapsel. Dies wird heutzutage problemlos und schmerzfrei mit dem YAG-Laser beseitigt, so dass wieder eine klare Sicht möglich ist. Franziskus F. und auch Maria M. haben sich beidseits Multifokallinsen durch unser Ärzteteam der Augenärzte-Gemeinschaftspraxis in Ahaus implantieren lassen. Sie und viele andere Patienten sind seitdem glücklich, von Fern- und Lesebrille unabhängig zu sein. Quelle: Augenlicht.de |









