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08.10.2014

Projektstart zur Vorsorge von Sehstörungen bei Kindern

Das EUREGIO-Projekt „Schlecht sehen – slecht zien – goodbye“ startet ab sofort im Kreis Coesfeld.  Ziel des von der Europäischen Union geförderten Projektes ist es, mittels einer neuen Messmethode Fehlsichtigkeiten bei Kindern in der Region Westmünsterland/Twente künftig noch früher zu diagnostizieren und zu beheben. Kooperationspartner sind das Augen-Zentrum-Nordwest mit Hauptsitz in Ahaus und die Orthoptistenpraxis „Zicht en Zien“ in Rietmolen/Niederlande. Beide Einrichtungen untersuchen bereits seit Anfang 2013 Kinder im Kreis Borken und in der niederländischen Region Twente. Oft sind sie dafür auch mit einem mobilen Messgerät in Kindergärten und Kindertagesstätten vor Ort. 

Bislang werden die gängigen Augentests in Deutschland und den Niederlanden bei kleinen Kindern erst relativ spät, nämlich bei Dreijährigen, durchgeführt. Zu spät, meint Dr. Monika Fröhlich vom Augen-Zentrum-Nordwest. „Die ersten Lebensjahre entscheiden, wie gut wir später sehen“, erklärt die Augenärztin. „Wird eine Fehlsichtigkeit in dieser Phase nicht diagnostiziert und therapiert, bleiben Betroffene mitunter ein Leben lang schwachsichtig.“ Das könne gravierende Folgen für die spätere Berufswahl haben, betont Dr. Monika Fröhlich: Denn Piloten, Polizisten oder Berufskraftfahrer müssen besonders gute Augen haben – diese Berufe entfallen, wenn eine Fehlsichtigkeit nicht früh genug erkannt wird.

Um eine frühe Vorsorge zu verankern und allen Kindern damit eine gute Sehfähigkeit und optimale Berufschancen zu ermöglichen, ist die Orthoptistin Birgit Großecappenberg auch in Kindergärten und Kitas vor Ort und untersucht alle Kinder ab einem Alter von sechs Monaten mithilfe der Infrarotkamera „plusoptiX S09“. Das Gerät misst aus einem Meter Entfernung sekundenschnell die Brechkraft (Refraktion) beider Augen – ohne den Einsatz von Augentropfen und unangenehme Nebenwirkungen. Die Messung deckt dabei spielerisch und zuverlässig mögliche Fehlsichtigkeiten und Abweichungen auf. Per Breitbandverbindung werden die Ergebnisse zu den Augenärzten in das Augen-Zentrum-Nordwest nach Ahaus geschickt, wo dann die Befundung vorgenommen wird.

Projekt stößt auf hohe Akzeptanz 

Bereits seit Anfang 2013 läuft das Projekt sehr erfolgreich im Kreis Borken. Rund 3.000 Kinder wurden in zahlreichen Kindertagesstätten untersucht. Großer Mehrwert für alle Eltern: Sie werden durch die Untersuchung im Kindergarten zeitlich entlastet und erhalten automatisch nach der Untersuchung einen Bescheid, wenn ein Kind unmittelbar beim Augenarzt nachuntersucht werden muss. Bei 23% aller bisher untersuchten Kinder konnte so eine Sehstörung festgestellt werden. Die Erfahrung hat gezeigt, so Dr. Stefanie Schmickler, dass wir durch das Projekt Kinder erreichen, die sonst in frühen Jahren nicht zum Augenarzt gegangen wären. 

Für die kleinen Patienten entstehen während der Projektphase keine Kosten – die neue Vorsorgeuntersuchung für Kinder lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht. 

Anmeldung für Eltern und Kindergärten

Die Vorsorgeuntersuchung (Sehscreening) ist für alle Eltern kostenlos und kann nach Terminabsprache in der Praxis für Telemedizin des Augen-Zentrum-Nordwest in Legden durchgeführt werden. Orthoptistin Birgit Großecappenberg besucht aber auch die Kindergärten der Region, die gerne Termine selber vereinbaren können. Anmeldungen nimmt das Augen-Zentum-Nordwest unter 02561-93000 entgegen.