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Nach einer UV-Vernetzung lassen sich beim Keratokonus Patienten häufig Kontaktlinsen wieder besser anpassen.

10.06.2007

Neue Perspektive beim Keratokonus

Über 1 Jahr Erfahrung mit der UV-Vernetzung in Ahaus.

Die UV-Vernetzung beim Keratokonus oder auch Corneal Crosslinking genannt ist ein biochemischer Prozeß, der die mechanische Stabilität der Hornhaut festigt. Mit dieser Methode zur Verfestigung der Hornhaut, die in den letzten 10 Jahren entwickelt wurde, wird ein weiteres Hervorwölben der Hornhaut beim Keratokonus aufgehalten. Hierzu muss Vitamin B2 (Riboflavin) getropft werden und  in die Hornhaut eindringen, wozu eine mechanische Entfernung der Hornhautdeckzellschicht unter örtlicher Betäubung erforderlich ist. Die anschließende, 30 minütige, lokale UV-Bestrahlung bewirkt die Vernetzung nur in der Hornhaut. Danach wird mit einem Salbenverband das Auge versorgt. In den darauf folgenden 2 – 3 Tagen treten Schmerzen auf, bis die Deckzellschicht der Hornhaut wieder zugewachsen ist (Epithelschluss). Schmerzmittel dürfen bei Bedarf eingenommen werden.

Nach unseren bisherigen Erfahrungen und den weltweiten Erfahrungen aus tierexperimentellen Untersuchungen und Anwendungen an Patienten sind uns keine Nebenwirkungen (z. B. Entzündung, Katarakt,  Endothelzellschädigungen) bekannt. Das Risiko eines verzögerten Epithelschlusses besteht, deshalb ist eine Kontrolle bis zum Epithelschluss durch einen Augenarzt erforderlich. Nach ca. drei Monaten sehen wir eine durchschnittliche Abnahme der Hornhautverkrümmung um 2,5 dpt., was bei einigen Patienten das Anpassen der Kontaktlinse wieder erleichtert hat.

Dieses neue Verfahren für die Behandlung des Keratokonus schlagen wir allen Patienten vor, bei denen der Keratokonus in den letzten 12 Monaten zugenommen hat, um diesen krankhaften Prozess zu stoppen. Über einen Nachkontrollzeitraum von 24 Monaten möchten wir Ärzte der Augenärzte Gemeinschaftspraxis Ahaus-Gronau die Effektivität, Vor- und Nachteile des Verfahrens weiter untersuchen. Auch wenn wir bisher durchweg positive Erfahrungen mit diesem Verfahren gemacht haben,  müssen die Kosten für die UV-Vernetzung vom Patienten jeweils bei seiner Krankenkasse beantragt werden, da das Verfahren noch nicht im Katalog der gesetzlichen Krankenversicherung steht.

Alternative Therapiemöglichkeiten zur Verbesserung der Sehkraft beim Keratokonus sind die Anpassung einer harten Kontaktlinse, was ein Fortschreiten des Keratokonus nicht verlangsamt oder wenn dieses nicht mehr möglich ist, die Hornhauttransplantation bei Vorhandensein eines geeigneten Spendermaterials.