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27.05.2015

Dr. Stefanie Schmickler Mitherausgeberin von CONCEPT Ophthalmologie

Dr. Stefanie Schmickler vom Augen-Zentrum-Nordwest ist ab sofort Mitherausgeberin von CONCEPT Ophthalmologie. Das Magazin behandelt Themen und Probleme aus der Augenheilkunde. Ihren Schwerpunkt wird Dr. Schmickler auf praxisnahe Themen legen, die Augenärzte tagtäglich beschäftigen.

Zum Anlass führte das Fachmagazin ein Interview mit der Augenärztin über Beruf, Familie und Erfolg:

„Der Beruf ist mein Leben“

CONCEPT Ophthalmologie freut sich über eine neue künftige Herausgeberin: Dr. med. Stefanie Schmickler, renommierte Augenchirurgin aus Ahaus. Eine vielbeschäftigte Ärztin und eine dieser Frauen, bei denen man sich fragt: Wie macht sie das - und was ist das Geheimnis ihres Erfolges?

Frau Dr. Schmickler, wenn Sie nicht Ärztin geworden wären, mit wem würden wir dann heute sprechen? 

Ich habe viele Interessen: Fast hätte ich Internationale Betriebswirtschaft studiert, was es vor über 30 Jahren aber eher nur an privaten Hochschulen gab. Aufgrund meiner Liebe zu den Fremdsprachen hätte ich mir auch gut den diplomatischen Dienst vorstellen können. Logopädin oder Orthoptistin wären auch eine Alternative gewesen.

Wieso wurde es dann doch die Augenheilkunde?

Zum Zeitpunkt der Abgabe der Bewerbung – ein Jahr vor dem Abitur - an einer der privaten Hochschulen war ich so stark von einer Akne geprägt, dass ich allein durch mein Aussehen in einem Vorstellungsgespräch durchgefallen wäre. Diese Akne heilte dann im Abiturjahrgang endlich, so dass ich mich „berufen“ fühlte, Medizin mit dem Ziel Dermatologie zu studieren. Als zweites Semester, das vom AIP betroffen war, fand ich dann aber „nur“ eine Stelle in der Augenheilkunde. Schnell erkannte ich die Vorteile dieses Faches: sehen, diagnostizieren, heilen! 

Würden Sie Ihrer Tochter empfehlen, den ähnlichen Weg zu gehen - oder würden Sie ihr etwas anderes raten?

Der Beruf des Arztes kann so dankbar sein. Wenn man das tagtäglich auch so wahrnimmt, gibt es für mich keinen schöneren Beruf. Diese Begeisterung hat meine Tochter miterlebt. In der Augenheilkunde haben wir zudem den Vorteil, doch in ganz vielen Fällen erfolgreich zu heilen. Letztendlich möchten Eltern immer das Beste für ihre Kinder. Aber meine Tochter soll und muss das selber erkennen.

Hat Ihr Berufsleben sich so entwickelt, wie Sie sich das als Studentin vorgestellt haben?

Ja, im Prinzip schon. Meine Eltern sind keine Ärzte. Somit hatte ich beruflich gesehen keine familiäre Hilfe und habe mich selber durchgeschlagen. Mein Glück war, dass ich durch meine Chefs immer sehr gefördert wurde.

Wenn Sie könnten, was würden Sie jungen Medizinstudentinnen mit auf den Weg geben? So einen dringenden Ratschlag oder zwei.

Nie das Endziel aus dem Blick zu verlieren, damit man nicht aus der Bahn geworfen wird, und zäh bleiben, wenn auch mal Phasen nicht gelingen.

Was glauben Sie, was Sie antreibt und angetrieben hat im Leben? 

Mein Pflichtbewusstsein, alle mir gestellten Aufgaben stets zu erledigen.

Gibt es für Sie Vorbilder? Wenn ja, welche? 

Da gibt es viele. Aber die echten Vorbilder erlebe ich in meiner Sprechstunde: Ein seit über 50 Jahren verheiratetes Ehepaar, bei dem er ein Schädeltrauma durch einen Sturz von Holzpaletten vor 40 Jahren erlebte, was ihn äußerlich missbildete und arbeitsunfähig machte. Hinzu kam später eine Carcinom-Erkrankung. Das Ehepaar macht bei allen Kontrollen immer einen zufriedenen Eindruck. Als ich meine Bewunderung für ihren Lebensmut ihnen gegenüber einmal aussprach, erzählte die Frau mir, dass sie auch schon eines ihrer Kinder verloren habe. 

Oder ein befreundetes Arztehepaar, das ihren Sohn, Medizinstudent, durch eine plötzliche Hirnblutung eines Nachts vor jetzt zwei Jahren verloren hat und auch somit ihren Praxisnachfolger. Die Mutter hat ein Jahr später im Rahmen eines Vortrags über Organspende öffentlich über diese Situation gesprochen – Hut ab!  Das sind für mich Vorbilder, die trotz Schicksalsschlägen nicht aufgeben!

Welche Tugenden haben Sie, welche Laster? Was sind Ihre Hobbies?

Meine Tugenden: Fleiß. Meine Laster: Der Drang zur Perfektion. Meine Hobbies: Reisen, Kochen und Backen, Mode, moderne Architektur und natürlich unser Hund!

Ihr Mann ist an der Fachhochschule Münster Professor für Sanitäre Haustechnik und Wassermanagement. Er lebt bestimmt einen anderen Rhythmus. Ist das wichtig für Sie? Und ist das Familienleben für den beruflichen Erfolg wichtig?

Wir haben uns dadurch zeitlich gut ergänzen können, weil mein Mann im späten Nachmittag meistens zu Hause war und somit ein Elternteil bei unserer Tochter war. Sein Ärger und seine Sorgen sind ganz andere als meine – damit kann der eine den anderen besser beraten.

Wo haben Sie Wirtschaft - also das ärztliche Unternehmertum - und wo Führung gelernt?

Ich komme aus einem mittelständischen Unternehmen, wo die Existenz der Firma zum Wohle  der Mitarbeiter im Vordergrund stand. Dann kam erst die Familie - das prägt. Ein Grund mehr für mich nach dem Abitur, doch nicht Betriebswirtschaft zu studieren. Führung habe ich leider nie gelernt, das würde ich gern. Ob ich das gut mache, das müssen Sie unsere Mitarbeiter und die Banken fragen.

Glauben Sie von sich, dass Sie eine gute Chefin sind? Ihre Mitarbeiterinnen wirken so fröhlich. 

Ich denke, ich bin da eher gefürchtet, weil ich meine Augen wohl ziemlich überall habe und ständig versuche zu optimieren. Aber alle wissen, dass sie sich auf mich verlassen können, und das ist mir wichtig!

Im Porträt 2011 („Vor Ort in Ahaus“) haben wir Ihr Unternehmen als „frauenbetont und familienfreundlich“ charakterisiert. Ist das für den Erfolg genauso wichtig wie zum Beispiel fachliche Kompetenz? 

Die fachliche Kompetenz ist wichtig, um unsere Patienten erfolgreich zu behandeln. Hierfür benötigen wir aber qualifizierte Kollegen und Mitarbeiter. Diese können wir nur gewinnen und halten, wenn wir interessante Arbeitsbedingungen wie z.B. eine praxiseigene Kinderfrau anbieten.

Sie sind eine der wenigen Frauen in der Ophthalmologie, die zum einen Chefin einer sehr großen Praxis/Klinik ist und sich darüber hinaus in beruflichen Belangen sehr engagiert. Wieso und was unterscheidet Sie von anderen Frauen (und auch Männern), die sich weniger einbringen?

Ich glaube, dass Außenstehende diese Frage viel besser beantworten können. Wahrscheinlich liegt es daran, dass der Beruf mein Leben ist, und ich bereit bin, bei meiner persönlichen Freizeit Abstriche zu machen.

Die typische Frage an eine vielbeschäftigte Frau: Wie schaffen Sie das alles - Familie, Beruf, also Praxis, OP, Studien, Engagement für Patienten und in Fachvereinigungen und Kommissionen … - und künftig Mitherausgeberin unseres Fachmagazins?

Sicherlich geht das nur weiterhin mit dem Verzicht auf freie Zeit für mich selber. Solange ich dazu bereit bin, wird sich das vereinbaren lassen. Aber ich habe auch für mich klare Zielvorgaben, dass es eine Postwork-Phase geben wird. Den Zeitpunkt werde ich aber erst mit meiner Familie als auch meinem Praxis-Partner abstimmen. Ideen, was dann kommt, habe ich schon, und wer mich kennt, der weiß, dass ich alles konsequent durchziehe.

Wo wird Ihr Fokus als Mitherausgeberin von CONCEPT Ophthalmologie liegen?

Ich möchte mich auf praxisnahe Themen, da wo uns Augenärzte im Alltag der Schuh drückt, konzentrieren. Auch wenn viele meinen, dass ich nur operieren würde, muss ich einfach sagen: Meine Hauptarbeitszeit liegt in der Sprechstunde, nach wie vor von der Brillenverordnung über die Indikation zu den unterschiedlichsten Operationen als auch der Umgang mit den tagtäglichen Problemen einer Praxis. 

Gibt es so etwas wie eine weibliche Sicht auf die Augenheilkunde oder interessiert sie das eher weniger?

Nein, Augenheilkunde ist zwar sprachlich gesehen weiblich, de facto ist sie aber ein Neutrum. Es gibt keine weibliche Augenheilkunde, auch wenn sie sehr ästhetisch ist. 

Wo sehen Sie derzeit und in Zukunft die größten Problemfelder in der Ophthalmologie?

Ich bedauere die immer wieder auftretende Konfrontation von „konservativ“ zu „operativ“:  Wir dürfen uns als Augenheilkunde nicht spalten lassen. Die Augenheilkunde benötigt eine stärkere Lobby in der Gesellschaft. Aufgaben gibt es genügend: Mehr ältere chronisch augenkranke Patienten, viele Innovationen, abnehmende Honorare durch Kürzungen! Gerade in Zeiten, in denen die flächendeckende Versorgung nur schwer sicherzustellen ist, sollten wir über neue Modelle nachdenken. Unsere jungen Kollegen scheuen in die Peripherie zu gehen, sehen nicht die Vorteile der hohen Lebensqualität jenseits der Ballungszentren und ziehen die Anstellung mit geregeltem Einkommen dem finanziellen Risiko einer Niederlassung mit dem hohen Verwaltungsaufwand vor. Somit wird es mehr „Filialen“ von Großzentren geben (müssen). Vielleicht wäre aber auch ein Ausweg, wenn Augenärzte und Optiker/Optometristen mehr aufeinander zugingen. Die Telemedizin könnte hierbei ein sinnvolle Rolle spielen. 

Wenn Sie drei Wünsche für die Augenheilkunde frei hätten, wie würden die lauten?

1. eine erfolgreiche Therapie gegen Netzhautdystrophien und andere Erblindungsformen

2. angemessene Bezahlung, die Innovationen und dem Qualitätsmanagement Rechnung trägt

3. eine stärkere Lobby in der Gesellschaft

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Susanne Wolters, Redakteurin bei CONCEPT Ophthalmologie