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07.07.2016

Das Trockene Auge

Rund jeder Achte Deutsche leidet unter dem Trockenen Auge, der heute wohl häufigsten Augenerkrankung. Dabei ist der mehrschichtige Tränenfilm so stark gestört, dass richtige Trockenstellen auf dem Auge entstehen. Die Folge sind die typischen Beschwerden des Trockenen Auges – Brennen, Kratzen, Sandkorngefühl und reflektorisch sogar ein vermehrtes Tränen.

Was versteht man unter dem sogenannten „trockenen Auge“?
Das trockene Auge ist eine Benetzungsstörung der Augenoberfläche, die durch eine Verminderung der Tränenmenge oder durch eine verstärkte Verdunstung des Tränenfilms hervorgerufen wird. Die Folge ist eine ungenügende Befeuchtung der Augenoberfläche, die zu einer Entzündungsreaktion und vielfältigen Symptomen führt.

Welche Symptome weisen auf ein „trockenes Auge“ hin?
Augenrötung, Fremdkörpergefühl, Kratzen, Brennen, Schleimabsonderung, Lichtempfindlichkeit, müde Augen, geschwollene Lider, Unverträglichkeit von Kontaktlinsen, Probleme bei der Bildschirmarbeit, Unverträglichkeit von Kosmetika, Schmerzen bei Luftzug, im Flugzeug oder in rauchiger Luft und vieles mehr können Ausdruck eines gestörten Tränenfilms, d. h. eines trockenen Auges, sein. Aber auch Augentränen kann paradoxerweise infolge gestörter Benetzung vorkommen.

Wozu dient die Tränenflüssigkeit?
Ein gesunder Tränenfilm ist aus drei Komponenten aufgebaut. Er hält die Oberfläche des Auges glatt und geschmeidig, ermöglicht dadurch eine gute Sehfunktion und schützt das Auge durch keimtötende Substanzen vor Infektionen. Ein gestörter Tränenfilm führt zu den o. g. Symptomen und einer erhöhten Infektionsgefahr.

Wodurch kann ein trockenes Auge entstehen?
Die Tränenproduktion wird auf sehr komplexe Weise gesteuert und unterliegt erheblichen Tagesschwankungen. So verringert sich die Tränenproduktion zum Abend hin, wenn wir müde werden („das Sandmännchen kommt“). Sie nimmt aber auch mit zunehmendem Alter ab. Dies betrifft insbesondere Frauen. Ein trockenes Auge kann aber auch bei verschiedenen Augenerkrankungen (u. a. Lidrandentzündung, allergische Bindehautentzündung, Verletzungen der Augenlider) oder Allgemeinerkrankungen (u. a. Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Rosazea, Diabetes mellitus, autoimmunologische und neurologische Erkrankungen, Vitamin- A-Mangel) auftreten. Darüber hinaus können auch Medikamente (u. a. Blutdrucksenker, Psychopharmaka, Hormone, Antihistaminika) die Tränenproduktion nachteilig beeinflussen. Auch Rauchen und das Tragen von Kontaktlinsen - vor allem weiche Linsen - fördern die Entstehung eines trockenen Auges. Umweltfaktoren, bei denen es zu einer erhöhten Verdunstung des Tränenfilms kommt, sind: Klimaanlagen, trockene Heizungsluft, Innenraumgebläse im PKW, Zug oder Flugzeug und Feinstäube. Daneben kann Bildschirmarbeit durch eine Verminderung der Blinkfrequenz zu einer Störung des Tränenfilmaufbaus führen. Die Kombination aus reduzierter Blinzelfrequenz bei der Bildschirmarbeit und erhöhter Verdunstung im klimatisierten Umfeld hat im englischsprachigen Raum zum Begriff des „office eye syndrome“ geführt. Nur ein regelmäßiger, bewusster Lidschlag sorgt für einen stabilen Tränenfilm, denn durch das komplette Schließen der Augenlider wird genügend Fett aus den Drüsen der Lidkante in den Tränenfilm abgegeben.

Wie wird das trockene Auge behandelt?
Bei der Mehrzahl der Betroffenen kann mit Hilfe von „künstlichen Tränen“ (Tränenersatzmitteln) die Beschwerden behoben werden. Derartige Produkte befeuchten die Augenoberfläche und verbessern die Qualität des Tränenfilms. Liegt die Verdunstungsform des trockenen Auges im Rahmen einer Lidrandentzündung vor, steht die Behandlung der entzündlichen Lidveränderungen (Lidrandpflege) im Vordergrund. Bei schweren Verlaufsformen können auch antientzündliche Medikamente eingesetzt oder die Tränenkanälchen zeitweise mit sogenannten Punctum plugs verschlossen werden. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren die Tränenfilmqualität verbessern kann. Ein neues Verfahren ist das sogenannte LipiFlow®, bei dem die Meibom-Drüsen durch eine Spezialbehandlung geöffnet und gereinigt werden. Als Folge wird die für einen stabilen Tränenfilm benötige Lipid-Produktion wieder aktiviert.

Was können Sie selbst bei trockenen Augen tun?
Häufig sind äußere Einflüsse der Grund für die Beschwerden. Wenn Sie in klimatisierten Räumen arbeiten, vergewissern Sie sich, dass die Anlage für ein gutes Raumklima mit ausreichender Luftfeuchtigkeit sorgt. Sie sollten Ihre Augen regelmäßig frischer Luft aussetzen. Beim Autofahren sollten Sie darauf achten, dass der Strahl des Gebläses nie direkt auf die Augen gerichtet ist. Rauchen, aktiv oder passiv, wirkt sich gleichfalls negativ auf die Tränenfilmstabilität aus. Kontaktlinsenträger sollten ggf. Ihre Augen regelmäßig mit unkonservierten Tränenersatzmitteln befeuchten. Patientinnen mit trockenem und empfindlichem Auge sollten bei der Wahl ihrer Kosmetikprodukte auf reizarme und gut verträgliche Kosmetik achten.


Informationen zu weiteren Behandlungsmethoden finden Sie hier.