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21.05.2015

5000 Kilometer bei klarer Sicht

Jedes Jahr fährt Walter Junghänel tausende Kilometer per Rad durch Nordamerika. Mehr als 75.000 Kilometer hat er so zurückgelegt. Doch bei den letzten Touren ließen die schönen Landschaftsbilder nach, Schilder konnte der 77-jährige Münsterländer immer schlechter lesen. Die Diagnose: Ein Grauer Star auf beiden Augen. Eine Operation, bei der die Augenlinsen gegen Kunstlinsen ausgetauscht wurden, gab ihm die hohe Sehfähigkeit zurück – und damit auch ein Stück Lebensqualität bei jedem einzelnen Kilometer per Rad. 

 

Von den Niagara-Fällen, an dem Gebiet der großen Seen vorbei zu den Rocky Mountains bis nach Arizona. Die wildreichen Landschaften seiner letzten Tour im Jahr 2014 sind Walter Junghänel gut im Gedächtnis. Denn es war die erste Reise nach seiner Augenoperation. Vorher hatte ein leichter Nebelschleier gestochen scharfe Konturen unmöglich gemacht.  „Es war nach Jahren der schlechten Sicht mit Grauem Star wieder eine Reise mit völlig neuen Erfahrungen. In der Prärie grasten Gabelböcke und Weißwedelhirsche, Adler zogen ihre Bahnen. Es war ein großartiges Gefühl, diese Momente wieder klar zu sehen und voll auszukosten“, beschreibt der pensionierte Lehrer. 

 

Deutlich einfacherer Alltag

Auch der Alltag war wieder leichter: Schilder ließen sich besser lesen, die Orientierung am Flughafen funktionierte wieder deutlich besser. Das alles war möglich dank des kleinen Eingriffs einige Monate vorher. 

 

Dr. Stefanie Schmickler vom Augen-Zentrum-Nordwest hatte nach der Diagnose des Grauen Star die eingetrübten Augenlinsen während einer Operation gegen Kunstlinsen eingetauscht. „Ich war überrascht von der  Umkompliziertheit und Sanftheit des Eingriffs“, erinnert sich Walter Junghänel. Schmerzen habe er dabei keine gespürt. Nach dem Heilungsprozess sei er von der hohen Sehkraft sogar überrascht gewesen, die deutlich besser war als vor der Augenerkrankung. 

„Bei der Operation des Grauen Star lassen sich vorher bestehende Fehlsichtigkeiten als auch andere Fehler des Auges – sogenannte Wellenfrontfehler – mit modernen Linsen mit Zusatznutzen ausgleichen“, erklärt Dr. Stefanie Schmickler vom Augen-Zentrum-Nordwest, die Walter Junghänel betreute. Junghänel selbst war vor der Operation kurzsichtig. „Den Vorteil, in der Nähe gut zu sehen, wollte ich beibehalten und habe mich deshalb dafür einschieden, eine gewisse Kurzsichtigkeit beizubehalten“, so der Radsportler. “Grundsätzlich ist das im Rahmen des Eingriffes machbar und wird von vielen kurzsichtigen Patienten  angefragt”, so Dr. Stefanie Schmickler. Im Falle des Ahausers und vieler weitere Patienten, die auch ohne Brille gut in der Nähe sehen konnten, stellen Ärzte bei der Operation das Auge mit der Kunstlinse auf eine gewisse Kurzsichtigkeit ein, damit die Patienten trotz der Altersweitsichtigkeit  zum Beispiel ohne Brille lesen können. 

 

Seine neu gewonnene Sehkraft will Walter Junghänel auch weiterhin voll auskosten. „Die erste Reise ohne den Grauen Star war toll. Wenn ich diese Tour jemandem widmen darf, dann ist das neben meiner Frau sicher Dr. Stefanie Schmickler vom Augen-Zentrum-Nordwest.”

An die 5000 Kilometer-Tour mit vollends klarer Sicht will der 77-Jährige im Juli bei einer Ost-West-Durchquerung der USA von Charlotte in den Appalachen, durch das Mississippi-Tiefland und über die Rocky Mountains bis nach Tucson im heißen Südwesten anknüpfen: wieder per Rad, versteht sich.